Donnerstag, 5. Februar 2009

Marienerscheinungen in Ägypten

Wissenschaftler vor Ort in Zeitoun und Shoubra

Gisela Ermel

In: Sagenhafte Zeiten, Nr. 3/2002. Beatenbrg 2002


Marienerscheinungen, wie sie seit Jahrhunderten weltweit berichtet werden, geben uns zahlreiche Fragen auf, deren wichtigste aber die ist nach dem dahintersteckenden unbekannten Verursacher. Es ist das Verdienst von Johannes und Peter Fiebag, die Paläo-SETI-Forschung auf ein Phänomen aufmerksam gemacht zu haben, das die christliche Kirche als Erscheinungen der Muttergottes deklariert. Die Brüder Fiebag haben gezeigt, dass wir es hier in einigen - oder vielen - Fällen mit Kontakterlebnissen zu tun haben könnten, mit Kontakten einzelner Betroffener mit einer sich hinter Mimikry tarnenden unbekannten Intelligenz.

Lichtgestalten in Ägypten


Marienerscheinung in Zeitoun - künstlerische Darstellung (Cover von "A Lady of Light Appears in Egypt", Kamell / Jackson / Jackson)


Bei inzwischen über 50.000 Erscheinungen sowie vergleichbaren Phänomenen in anderen Religionen und Kulturen (auch in vorchristlichen Zeiten) kann es keine pauschalen Antworten auf diese Fragen geben. Die Herangehensweise der Kirche ("kirchliche Anerkennung", "echt" oder "nicht echt") hilft uns kaum weiter, da wir dieses Phänomen unter einem ganz anderen, neuen Blickwinkel betrachten. Die Wissenschaft hat sich bisher dieser Marienerscheinungen leider erst in geringem Masse angenommen (z.B. Gehirnstrommessungen bei Sehern oder Messungen radioaktiver Strahlung in Kirchen während einer dort stattfindenden Erscheinung, Untersuchung von Tränen weinender Madonnenstatuen).

Während meiner Arbeit zum Thema "Turiner Grabtuch" nahm ich mit Prof. John Jackson, einem amerikanischen Physiker und Grabtuchforscher, Kontakt auf. Prof. Jackson ist eine Koryphäe auf diesem Gebiet. Er leitete die spektakuläre fünf Tage dauernde Untersuchung des Turiner Grabtuches 1978 in Turin, die durch die Gruppe STURP (Shroud of Turin Research Project) durchgeführt wurde. Von ihm erfuhr ich, dass er und einige andere Wissenschaftler sich auch mit Marienerscheinungen befasst hatten. Das Team war nach Ägypten gereist, um sich mit den Vorkommnissen in Shoubra und Zeitoun auseinander zu setzen.

Was war in Zeitoun und Shoubra geschehen? Von 1968 bis 1972 erschien auf der Kupel einer kleinen koptischen Kirche in Zeitoun, einem Vorort Kairos, eine lichtstrahlende Frauengestalt, von den zahlreichen Zeugen einmütig als "Jungfrau Maria" gedeutet. Eine neue Reihe von Erscheinungen begann im Frühjahr 1986 in der Kirche St. Demiana im ägyptischen Shoubra, und die Zeugenberichte ähnelten zum Teil den früheren aus Zeitoun.


Die langjährige Arbeit mit den Daten und Materialproben des Turiner Grabtuches hatte Prof. Jackson gezwungen, über seinen wissenschaftlichen Horizont hinauszudenken. Sein Interesse an den Marienerscheinungen in Ägypten war zunächst nur ein Nebenprodukt seiner Arbeit am Grabtuch. Könnte, so fragte er sich, der Auslöser der Entstehung des Körperbildes auf dem Turiner Grabtuch einen ähnlichen Strahlungscharakter gehabt haben wie der der so plötzlich auftauchenden lichtstrahlenden Gestalt in Zeitoun?

Die bis heute unbekannte Strahlung hatte auf dem Turiner Grabtuch eine chemische Reaktion der äussersten Faserspitzen des Stoffes hervorgerufen und gleichzeitig dem Körperbild eine perfekte 3-D-Information verliehen. Die Strahlungserscheinung in Zeitoun hatte zumindest auf dem Foto, das Prof. Jackson zur Verfügung stand, eine chemische Reaktion auf dem Fotofilm bewirkt, vorausgesetzt, man hatte es mit einem "echten" Foto zu tun.

Jackson entschied sich, zunächst in Shoubra tätig zu werden, da die dortige Erscheinungswelle 1986 noch fortdauerte, und stellte ein Forschungsteam zusammen:
  • Richard Speck, Physiker
  • Vern Miller, schon als Fotograf 1978 in Turin dabei gewesen
  • Dr. Ron Sega, Assistenzprofessor von Electrical Engineering an der University of Colorado (später NASA-Astronaut)
  • sowie zwei weitere Physiker
  • Dr. Nelson Pacheco, Vorsitzender des Mathematics Department der Air Force Academy
  • David Fornof, Vorsitzender von Hewlett-Packard, ein "kreativer Tausendsassa"
  • Nabil Kamell, ebenfalls von Hewlett-Packard und Sohn des Exgeneralsekretärs des Koptischen Rates Youssuf Kamell, nützlich als logistischer Vermittler durch seine Verbindungen zu Ägypten.

Shoubra

Während das Team sich im Frühsommer 1986 vorzubereiten begann, dauerte die neue Erscheinungswelle in Shoubra weiter an. Immer neue Nachrichten erreichten die Wissenschaftler aus Ägypten. Kurz vor der Ankunft des Teams in Kairo wurden die Wissenschaftler von zwei Ärzten aufgesucht, die im Juli in Shoubra gewesen waren und von unerklärlichen Lichtblitzen berichteten, die sie gesehen hatten. Einige davon hatten sie sogar auf Video aufgenommen und stellten Prof. Jackson den Film zum Analysieren zur Verfügung.

Im September 1986 erreichte das Team Kairo, ausgestattet mit dem Equipment zur Messung von IR-Strahlung, Schallwellen, Partikelstrahlung, radioaktiver Strahlung und vielem mehr.

In der Kirche von Shoubra: Die Menschen erwarten eine Erscheinung


Als sie erstmals die Kirche in Shoubra betraten, schallten ihnen lautstark Gesänge und Sprechchöre der zahlreichen Gläubigen entgegen. Das Team bekam einen übersichtlichen Platz im Balkonbereich der Kirche. In der geschlossenen Kirche hallten die gesanglichen Anrufungen der Jungfrau Maria melodisch, aber monoton durch den Raum. Es herrschte unterschwellig eine erwartungsvolle Spannung. Jackson und seine Begleiter bemerkten, dass sich immer wieder Leute verstohlen im gesamten Innenraum der Kirche umsahen, als seien sie auf der Suche nach einem kleinen Blick auf eine Erscheinung oder irgendein "Wunder".

Plötzlich fing die Menge an laut zu schreien! Unzählige Frauen erzeugten zusätzlich einen durchdringenden, abgehackten Ton mit ihren Zungen, ein deutlicher Ausdruck für Enthusiasmus und Erregtheit. Jackson sah, dass die Leute aufgeregt hinauf zur Kirchenkuppel zeigten und alle Köpfe nach oben gerichtet waren. Auch Jackson sah hinauf und bemerkte einen Lichtschimmer, der über die Wände der Kuppelinnenseite tanzte.

Jackson drehte sich zu Richard Speck um, der neben ihm stand, um ihn auf das Phänomen aufmerksam zu machen. Speck merkte offenbar nichts von all der Aufregung, wollte gerade den Kompass ablesen, um für die Dokumentation die genaue Lage der Kirche zu bestimmen. Jackson bemerkte, dass das Licht einer Glühbirne auf dem Glas dieses Kompasses reflektierte - und das tanzende Licht vorne unter der Kirchenkuppel verursachte! Jackson fragte Speck, ob er wisse, was die Ursache für den lautstarken Aufruhr unten in der Menschenmenge sei und zeigte auf den Kompass. Speck schaute auf, legte, verlegen grinsend, sofort seine Hand über den Kompass und machte damit der Lichtreflexion - und der "Erscheinung" - ein Ende. Innerhalb einer Minute waren Lärm, Jubel und Zungentrillern verstummt, und die monotonen Sprechgesänge und Gebete begannen aufs Neue den Raum zu erfüllen.

Jackson und sein Team führten in dieser Nacht lange Dispute über Gruppendynamik, Erwartungshaltung und andere psychologische Begebenheiten. Wie leicht, so schrieb Jackson später, wirken sich die Gefühle einer Person auf deren Objektivität aus. Wie dies wohl bei früheren Erscheinungen in der Kirche gewesen war? Ihm wurde bewusst, dass dieses Phänomen, das er untersuchen wollte, viel komplexer war als angenommen. Liess es sich überhaupt physikalisch untersuchen?

Als das Team zu einem anderen Zeitpunkt ebenfalls auf dem Balkon weilte, führte Richard Speck seine Videokamera nach oben unter die Kuppel. Plötzlich rief er erregt, er habe für ein paar Sekunden eine leuchtende Form in der Kuppel erscheinen sehen. Als sie den Videofilm zurückspulten und ansahen, konnten sie deutlich seinen Kommentar hören, wie er die leuchtende Gestalt erwähnte, und gleichzeitig waren die enthusiastischen Reaktionen der Menge zu hören, die die Beobachtung Specks begleiteten. Die Plötzlichkeit, die Spontanität und die grosse Anzahl der reagierenden Stimmen zeigten, dass, was immer da unter der Kuppel geschehen war, für menschliche Sinne beobachtbar war, doch der Videofilm zeigte keine Spur dieser leuchtenden Gestalt, die auch andere Teammitglieder gesehen hatten.

Obwohl das Team mit seinem Fuhrpark fotografischen Equipments während mehrerer "Erscheinungen" anwesend war (es waren u.a. leuchtenden Formen auf den Türmen der Kirche gesehen worden), konnten all diese Ereignisse stets durch natürliche Ursachen erklärt werden. Hatte es vielleicht im Frühjahr nur ein einziges "Original"-Ereignis gegeben, und die erwartungsvolle, emotional aufgeladene Menschenmenge hatte daraus eine "Serie" gemacht?

Jackson sagte später: "Von meinem wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet habe ich in Shoubra kein Erscheinungsphänomen gesehen, das nicht durch die etablierte Wissenschaft erkärt werden konnte - gemessen an den geltenden physikalischen Gesetzen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich als Physiker über diejenigen urteilen darf, die glauben, dass die Ereignisse in Shoubra göttlichen Ursprungs seien."

Das Team befragte intensiv eine Reihe von Zeugen der "Erscheinungen", und Jackson konnte schliesslich nicht ausschliessen, dass es hier einst ein Basis-Ereignis gegeben hatte, bevor sein Team nach Shoubra kam.

Auch die spätere Auswertung des Video-Films, den Jackson von den beiden Ärzten bekommen hatte, ergab keinen Beweis für ein aussergewöhnliches Ereignis. Auf dem Film waren gelegentliche Blitze von Licht zu sehen, begleitet von den aufgeregten Schreien der Menschenmenge. Jackson spielte den Film Einzelbild für Einzelbild ab und erkannte, dass die Quelle des Lichts von einer punktförmigen Lichtquelle im Raum aus kommen musste, wie zum Beispiel einem Fotoblitzgerät. Ein solches Blitzlicht wäre bei einer nichtreligiösen Veranstaltung nichts Aussergewöhnliches, doch hier war eine Menge versammelt, um überirdische Erscheinungen zu sehen.


Zeitoun

Ganz anders sehen die Ergebnisse aus, die Jackson und seine Mitarbeiter im Fall Zeitoun erhielten. Auch hier wurde eine umfangreiche und wohlvorbereitete Zeugenbefragung durchgeführt. Es wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass sich die Zeugen untereinander nicht kannten und dass sie zu verschiedenen Zeiten dort gewesen waren. Viele Zeugen hatten nicht nur eine Erscheinung gesehen, sondern mehrere. die durchschnittliche Zeit zwischen zwei Erscheinungen konnte mit 5,9 Tagen errechnet werden; die meisten der Befragten hatten die Erscheinungen aus einer Entfernung von mehr als sechs Metern gesehen, die Hälfte aus mehr als 25 Metern Entfernung. Ein Grossteil der Zeugen stand draussen direkt vor der Kirche, die anderen auf der gegenüberliegenden Strassenseite.

Die Marienkirche in Zeitoun


Überraschenderweise stimmten die Aussagen über die physikalischen Charakteristiken der Erscheinung erstaunlich gut überein. Es gelang dem Team mühelos, aus den Zeugenberichten eine Basiserscheinung zu erarbeiten:
  • die Erscheinung erschien und verschwand "plötzlich"

  • die Erscheinung schwebte in der Luft über der Kirche

  • die Erscheinung hatte eine menschliche Form, die voll dreidimensional erschien

  • die Erscheinung war nicht verschwommen, sondern klar genug, um von den Zeugen als Jungfrau Maria gedeutet zu werden

  • die Erscheinung war undurchsichtig und man konnte einige menschliche Merkmale erkennen, zum Beispiel Hände und - etwas vager - ein Gesicht mit Augen, Nase und Mund

  • die Erscheinung machte Bewegungen: Gehen, Drehungen, Sichthinknien, Segnen, Sicherheben und eine Kombination anderer Bewegungen, die allesamt lebensecht wirkten und nicht künstlich; die Bewegungen geschahen mit normaler Geschwindigkeit

  • die Helligkeit der Erscheinung entsprach der des Vollmondes und war von weisser Farbe mit einer Spur von Blau

  • die Erscheinung erschien ausschliesslich während der Nacht oben auf der Kirche bei den Kuppeln

  • die Gestalt schien selbstleuchtend zu sein

  • die Erscheinung sprach nicht und gab auch sonst keine wahrnehmbaren Geräusche von sich

  • die Erscheinung machte nicht den Eindruck von Gewicht oder Schwere, und laut einigen Zeugenaussagen schien sie über die Fähigkeit zu verfügen, feste Objekte zu durchdringen

  • Wind schien sich nicht auf die Erscheinung auszuwirken

  • die Erscheinung strahlte keine wahrnehmbare Wärme aus, und es konnte auch keine statische Elektrizität wahrgenommen werden

  • die Erscheinung war für zahlreiche Menschen gleichzeitig sichtbar

  • die Grösse der Gestalt schien die eines Menschen zu übertreffen

  • die Dauer der Erscheinung betrug jeweils mehrere Stunden.

Die Menschen sehen eine Erscheinung über der Marienkirche von Zeitoun: 30. 4. 1968


Jackson machte zudem einige Experimente. So testete er, ob es möglich sei, dass an dieser Stelle dort oben ein Mensch stehen könne. Doch das machte die Glätte der gebogenen Kuppel unmöglich. Eine Person hätte sich niemals so über die Kuppel der Zeitoun-Kirche bewegen können, wie es die Lichtgestalt getan hatte.

Es ergab sich auch die Frage, ob die Erscheinungen in irgendeiner Weise mit dem Vollmond in Zusammenhang stehen könnten, da Zeugen aussagten, sie seien so hell wie der Vollmond gewesen. Doch Untersuchungen ergaben, dass der Mond nur bei 37% der Erscheinungen präsent gewesen war, bei 63% jedoch nicht.

Auch eine elektrische Quelle für eine künstlich erzeugte Bildfigur konnte ausgeschlossen werden, da man damals mehrfach während der Erscheinungen in den Stadtwerken den Strom abgeschaltet hatte - die Figur jedoch weiter leuchtete und präsent blieb. Das schloss natürlich einen tragbaren Generator nicht aus - doch die Erscheinungen hatten nichts gemein mit den an Wolkenbänke projizierten eher primitiven Marien- und Heiligenfiguren, die moderne Militärs einsetzten, um den Feind zu verwirren.


Die Fotos

Anschliessend an die Zeugenbefragung nahmen sich Jackson und seine Mitarbeiter die erstaunlich wenigen vorhandenen Fotos vor, die in Zeitoun aufgenommen worden waren. Sie stammten von drei Leuten: Wagih Risk, Fawzy Mansur und Ali Ibrahim.

Dem Architekten Fawzy Mansur war es gelungen, während des ersten Jahres der Zeitoun-Erscheinungen ein Foto zu machen. Darauf sieht man auf dem Dach der koptischen Kirche eine leuchtende Frauengestalt. Ihre Hände scheinen zum Gebet erhoben und in Richtung des Kreuzes auf der Zentralkuppel zu weisen. Man sieht eine anscheinend menschliche Form, eine Frau, und der offensichtliche Heiligenschein lässt sie den christlichen Darstellungen der Jungfrau Maria ähneln. Die Figur scheint selbstleuchtend zu sein. Das Foto wurde nachts aufgenommen.





Erscheinung in Zeitoun, Foto: Fawzy Mansur





Bei Betrachtung einer Vergrösserung des Bildes erscheinen ihre Gesichtszüge undeutlich. Jackson verglich das mit dem sogenannten Lambertian-Effekt, der auftritt, wenn Licht gleichmässig in alle Richtungen ausgestrahlt wird und dadurch strukturierte Merkmale nicht erkennbar sind. Man könnte es vergleichen mit dem Versuch, einen Schneemann vor einem weissen, nebligen Hintergrund zu erkennen. Dies Bild zeigt ausserdem, dass die Kuppeln und vor allem das Kreuz vom gleichen Strahlungsfeld umgeben sind, das die Figur zu umfassen scheint. Es macht den Anschein, als ob die Illumination von der Erscheinung selbst ausgehe.

Auch die Köpfe dreier Beobachter der Erscheinung im Vordergrund des Fotos scheinen von dieser illuminiert zu sein. Die Person im Vordergrund ist deutlich zu sehen, eine Verwischung durch Bewegung kann nicht beobachtet werden. Das lässt auf eine ziemlich kurze Belichtungszeit der Kamera schliessen, vielleicht nicht länger als eine halbe Sekunde.

Da dieses Bild nachts aufgenommen wurde, kann man davon ausgehen, dass die strahlende Erscheinung oben auf der Kirche ziemlich grell gewesen sein muss, um bei solcher Entfernung und ziemlich kurzer Belichtungszeit so auf dem Foto zu erscheinen. Da anhand der durch Befragung ermittelten Basiserscheinung die Helligkeit dem Vollmond entsprechend angegeben wurde, stimmt die Erscheinung auf dem Foto gut mit den Augenzeugenberichten überein, denn der Vollmond selbst ist aus fotografischer Sicht ein ziemlich helles Objekt.

Da die Hintergründe der Köpfe und die Seiten der Kirche auf dem Foto sichtbar sind, obwohl diese Oberflächen sich nicht in einer Reihe mit der Erscheinung befinden, muss es noch andere Lichtquellen gegeben haben, vielleicht Strassenlampen. Trotzdem sind die oberen Teile der Köpfe und Ohren bevorzugt illuminiert, übereinstimmend mit dem von der Erscheinung ausgestrahlten Licht.

Besonders auffällig auf dem Foto ist die Lichtverteilung über die Fassadenstrukturen, die die rechte Kuppel umgeben. So sieht man, dass Teile der Fassade beleuchtet sind durch die Erscheinung, andere nicht, und dass das Illuminationsfeld, das beide Kuppeln umgibt, durch Blätter und Zweige unterbrochen ist, die sich zwischen Kuppel und Kamera befinden. Beide Effekte wären schwierig zu fälschen und sprechen nach Ansicht von Jackson und Profifotograf Vern Miller für die Authentizität dieses Fotos.

Für den dreidimensionalen Charakter der Erscheinung spricht der Heiligenschein. Er ist auf dem Foto perfekt rund. Wäre er eine Scheibe wie bei Ikonen und anderen religiösen Darstellungen, so wäre es zweifelhaft, dass die Kamera genau in der richtigen Position gewesen wäre, den Halo rund statt oval abzubilden. Bei einer dreidimensionalen Szene mit kugelförmigem Halo würde jede Sichtrichtung diesen rund wiedergeben.

Computerbearbeitetes Detail des Fotos von Fawzy Mansur

Um den Halo genauer zu untersuchen, speiste Prof. Jackson das Foto in seinen Computer ein und verstärkte den Kontrast. Umfangreiche Bildanalysen ergaben, dass der Halo in der Tat eine runde Strahlungsquelle repräsentiert und einen realistischen Effekt darstellt, wie man ihn auch von anderen selbststrahlenden Phänomenen kennt und der äusserst schwierig zu erreichen ist durch künstliche Technik (so wie z.B. bei Doppelbelichtung einer Scheibe). Die Computerbildanalyse ergab ausserdem, dass der hintere Rand der Erscheinungsfigur hinter der vorderen Kuppel positioniert war - also kein Widerspruch in der räumlichen Platzierung der Madonna relativ zu ihrem physikalischen Umfeld. Auch dies, so Jackson, spreche für die Authentizität des Fotos, so wie zahlreiche weitere Details, die die Computerbildanalyse ergab. Jackson konnte kein einziges Merkmal auf diesem Foto finden, das gegen dessen Authentizität spricht.

Die weitaus meisten Fotos der Zeitoun-Erscheinungen stammen von Wagih Risk. Auf mehreren seiner Fotografien sieht man vogelähnliche Objekte, die auch in den Zeugenaussagen auftauchen. Diese Fotos wurden in zahlreichen Büchern über Erscheinungen veröffentlicht und sind recht bekannt. Doch eine genaue Untersuchung der Bilder durch Vern Miller, den Fotoexperten in Jacksons Team, machten deutlich, dass die Fotos gefälscht waren. Wahrscheinlich in guter Absicht hatte Wagih Risk versucht, das darzustellen, was er und zahlreiche der Zeugen real beobachtet hatten.




Eines der Fotos von Wagih Risk


Die vogelartigen Objekte auf den Fotos von Wagih Risk

Ein weiteres Foto, welches das Wissenschaftlerteam untersuchte, hatte das moslemische Vorstandsmitglied des Ägyptischen Museums, Ali Ibrahim, geschossen. Es wurde ebenfalls während des ersten Erscheinungsjahres in Zeitoun aufgenommen, und zwar von der gegenüberliegenden Strassenseite aus. Man sieht auf dem Foto eine leuchtende Gestalt mitten in der Luft vor einer Kuppel der Kirche schweben. Auch hier erkennt man einen runden Halo, der den Kopf der Figur umgibt. Die Hände scheinen sich an beiden Körperseiten zu befinden. Über der Figur sieht man eine vogelähnliche Struktur. Ebenso wie auf dem Mansur-Foto kann man sehen, dass die Kuppeln, das Dach und das Kreuz oben auf der Kirche illuminiert sind, offensichtlich durch die Erscheinung, sie scheinen das Licht der strahlenden Gestalt zu reflektieren. Dabei ist die vordere Kuppel relativ hell im Vergleich mit der hinteren - genau das, was zu erwarten wäre von einer Lichtquelle vor der Kuppel. Auch der Schatten, den die vordere Kuppel auf die andere Kuppel dahinter wirft, bestätigt dies.

Erscheinung in Zeitoun, Foto: Ali Ibrahim

Wie beim Mansur-Foto ergaben Computerbildanalysen und Untersuchungen Beweise für die Authentizität des Fotos. Zudem entspricht es weitgehend der Basiserscheinung aus der Zeugenbefragung.
Die Authentizität des Mansur- und des Ibrahim-Fotos bezieht sich jedoch lediglich auf den Fakt, dass hier ein reales Leuchtphänomen auf der Zeitoun-Kirche aufgezeichnet wurde. Ein Leuchtphänomen, das anhand der beiden Fotos Licht von innen, vom "Körper" her ausstrahlte. Doch sagt uns das nichts darüber, wie und von wem dies Leuchtphänomen hervorgerufen wurde und für welchen Zweck oder welche Ziele dies alles inszeniert wurde.
Für Jackson ist der Fall Zeitoun ein Ereignis, das viele unkonventionelle Elemente enthält. Seine Untersuchungsergebnisse seien selbstverständlich kritisierbar, teilte er mir mit, da er und sein Team als reine Wissenschaftler äusserst beschränkt seien in erhältlichen, objektiven Daten, die helfen könnten, zu verstehen, was genau auf der Kirche von Zeitoun passierte. Alle Daten, die gewonnen werden konnten, führten Jackson zu der Schlussfolgerung, dass es sich in Zeitoun entweder um ein unkonventionelles, ein paranormales oder ein überirdisches Ereignis mit physikalisch beobachtbaren Merkmalen handelte.
Das Wort "überirdisch" liesse sich aus dem Blickwinkel unserer Paläo-SETI-Forschung durch etliche andere Begriffe ersetzen. Für uns wäre die wichtigste Frage: War das Ereignis von Menschen initiiert - oder "nicht durch Menschenhand gemacht", ein Begriff, den schon die Antike für Objekte gebrauchte (wenn auch hier eher massiver, materieller Art), deren Ursache / Herstellung man den "Göttern" zuschrieb.
Für uns zeigen die Untersuchungen dieser engagierten, unvoreingenommenen und interdisziplinären Wissenschaftlergruppe, dass es nicht nur lohnend ist, dem Phänomen "Marienerscheinungen" näher nachzuforschen, sondern immens wichtig. Es ergeben sich Berührungspunkte sowohl mit der Paläo-SETI- als auch mit der UFO-Forschung. In allen Fällen geht es um die Vermutung eines Kontaktes mit einer unidentifizierten Intelligenz. Eines Kontaktes, der offenbar einseitig und zu für uns undurchschaubaren Zwecken und Zielen von fremder Seite ausgeht.
Bereits die fünftätige Untersuchung des Turiner Grabtuches im Jahr 1978 sowie die bis heute andauernde Auswertung der damals gewonnenen Daten und Materialproben hatten das Weltbild des Physikers John Jackson und seiner Kollegen gründlich ins Wanken gebracht - und es ist jammerschade, dass all die kompetenten und zum Teil aufsehenerregenden Fachartikel dieser Grabtuchforscher bis heute in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben sind, da sie nicht in populärwissenschaftlichen Zeitschriften erschienen sind, sondern in entsprechenden Fachorganen.
Wie können nur gespannt sein auf die Untersuchungsergebnisse, die Jackson und einige Mitarbeiter über einen weiteren dieser rätselhaften und umstrittenen "nicht von Menschenhand gemachten" Gegenstände erzielen werden: die Tilma von Guadalupe. Eines weiss ich mit Sicherheit: Jackson und seine Kollegen werden hier ebenso unvoreingenommen und kompetent vorgehen wie schon bei den Forschungen am Turiner Grabtuch und den Erscheinungen in Ägypten. Für manch einen mag vielleicht enttäuschend sein, was das Team aus Ägypten an Ergebnissen mit nach Hause brachte - doch für das noch fast gänzlich vernachlässigte Gebiet der Marienerscheinungen ist die Bescheinigung der Authentizität zweier der dort aufgenommenen Fotos ein wichtiger Schritt nach vorn. Lassen wir uns überraschen, was die Untersuchungen der Tilma von Guadalupe ergeben werden...
Literatur:
Fiebag, J.: Die geheime Botschaft von Fatima. Tübingen 1986
Fiebag, J. u. P.: Himmelszeichen. München 1992
Ernst, R.: Lexikon der Marienerscheinungen. Altötting 1989
Hierzenberger, G. / O. Nedomansky: Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria. Augsburg 1993
Jackson, J.P.: Is the Image of the Shroud due to a process heretofore unknown to modern science? In: Shroud Spectrum Interational, Nashville 1990
Kamell, Y.G. / J.P. Jackson / R. Jackson: A Lady of Light Appears in Egypt. Colorado Springs 1996
Persönliche Mitteilungen von John Jackson










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